Pflege mit Köpfchen
Neue Ausbildungsstation in der Neurochirurgischen Klinik eröffnet
Auf der Station 22 der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen hat eine neue Ausbildungsstation eröffnet. Es ist die erste in den Kopfkliniken. Angehende Pflegefachfrauen und -männer vom ersten bis zum dritten Jahr der generalistischen Pflegeausbildung sind hier ab Tag eins ganz nah dran an den Patientinnen und Patienten und arbeiten nach kurzer Zeit selbstständig und eigenverantwortlich.
Das Lehrkonzept besteht aus drei Phasen: Einarbeitung, Begleitung und Übernahme. Verena Neubauer, Leiterin der Stabsstelle Ausbildungsmanagement und Personalentwicklung des Uniklinikums Erlagen, erklärt: „Durch dieses Stufenkonzept erlangen die Auszubildenden schrittweise mehr Verantwortung. Am Anfang zeigen und erklären ihnen die erfahrenen Pflegefachpersonen, Praxisanleiterinnen und -anleiter der Station noch sehr viel. Dann dürfen die Azubis Patientinnen und Patienten schon weitgehend selbstständig versorgen. In der Übernahmephase planen und organisieren die Pflegeneulinge schließlich alle Abläufe selbst, kümmern sich parallel um mehrere Patientinnen und Patienten und übernehmen auch die Kommunikation mit anderen Berufsgruppen, zum Beispiel mit Ärztinnen, Physiotherapeuten oder dem Ernährungsteam.“ Bis zu acht Auszubildende sind auf der neurochirurgischen Station 22 parallel im Einsatz. In der Regel bleiben sie anderthalb bis zwei Monate. Ziel ist es, dass alle Nachwuchskräfte im Lauf ihrer dreijährigen Pflegeausbildung mindestens einmal auf einer der insgesamt drei Ausbildungsstationen des Uniklinikums Erlangen im Einsatz sind. Denn auch in der Thoraxchirurgischen Abteilung und in der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie wurde das Konzept bereits umgesetzt. „Unsere Azubis sind die Pflegefachfrauen und -männer von morgen, also: unsere zukünftigen Mitarbeitenden“, betont Verena Neubauer.
„Das ist eine der schönsten Stationen, auf denen ich bisher gearbeitet habe“, sagt Michaela Schorr, Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr. „Hier wird sich richtig Zeit für uns genommen. Wir dürfen alles sehen, was wir wollen, und auch alles selbst machen: den Patienten und seine Vitalwerte im Blick behalten, Verbände wechseln, Wunden dokumentieren, Flüssigkeitshaushalt und Urinmengen überprüfen und so viel mehr. Dadurch lernen wir sehr intensiv und übernehmen früh Verantwortung.“ Weitere typische Pflegetätigkeiten in der Neurochirurgie sind etwa die Überprüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität sowie die Kontrolle der Pupillen. „Dabei leuchten wir mit einer kleinen Lampe nacheinander in beide Augen und beobachten die Reaktion der Pupillen. Diese sollten sich dabei schnell und gleichmäßig zusammenziehen“, erläutert Michaela Schorr. Sie und die anderen Nachwuchskräfte werden von Stationsleitung Olga Oliger sowie anderen pädagogisch geschulten Pflegefachpersonen – den Praxisanleiterinnen und -anleitern – betreut. Aber auch das restliche Stationsteam und andere Auszubildende stehen den Neulingen helfend zur Seite. Das hat den Vorteil, dass die Auszubildenden auch füreinander Mentorinnen und Mentoren sein können: Sie geben ihr Wissen an andere weiter, festigen so ihre eigenen Kenntnisse und lernen, zu delegieren.
Einfühlsam sein und gut beobachten
Die Patientinnen und Patienten der Neurochirurgie weisen Erkrankungen oder Verletzungen an Gehirn, Rücken bzw. Rückenmark oder Nerven auf. Das reicht vom Bandscheibenvorfall über Schädel-Hirn-Traumata bis hin zu Hirnaneurysmen und -tumoren. Sie haben Operationen am Kopf oder an der Wirbelsäule vor oder hinter sich und sind deshalb häufig nervös oder ängstlich. „Ein bösartiger Hirntumor, der entfernt werden muss – das ist natürlich furchteinflößend. Es ist also unsere Aufgabe als Pflegende, ihnen zuzuhören, behutsam zu kommunizieren und sie bestmöglich da hindurch zu begleiten“, erläutert Olga Oliger. „Patientinnen und Patienten, aber auch Angehörige im Pflegeprozess mitzunehmen, ist ein wichtiges Ziel der Ausbildung.“ Neben Einfühlungsvermögen brauche es – gerade in der Neurochirurgie – aber auch eine gute Beobachtungsgabe und eine aufmerksame Wahrnehmung, was Befinden, Verhalten, Stimmung und Wesen der Patientinnen und Patienten betrifft. „Denn ihr neurologischer Zustand kann sich manchmal schnell verändern. Hier müssen auch unsere Auszubildenden sehr wachsam sein“, erklärt die Stationsleitung.
Kamil Mackowiak, ebenfalls im dritten Ausbildungsjahr, sagt: „Jeder ist anders und ich versuche, die persönlichen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zu erkennen. Ich habe festgestellt, dass es immer hilft, wenn ich selbst Ruhe bewahre – dann bleibt auch mein Gegenüber ruhig.“ Die Auszubildenden sind dazu angehalten, sich so mitzuteilen, dass es anderen damit gut geht, aber auch ihnen selbst. Michaela Schorr findet: „Für mich gehört zu dieser offenen Kommunikation auch, Verantwortung zu übernehmen, wenn ich zum Beispiel das Gefühl habe, ich kann eine Patientin allein mit meinen pflegerischen Mitteln nicht mehr adäquat versorgen – dann muss ich eine Ärztin oder einen Arzt hinzuziehen.“
Vision: Lernen über Berufsgruppen hinweg
Genau diese Kooperation, über Berufsgruppen hinweg, wird auf der Ausbildungsstation ebenfalls gefördert. Prof. Dr. Oliver Schnell, Direktor der Neurochirurgie, betont: „Ich kannte das Konzept Ausbildungsstation schon, bevor ich 2022 nach Erlangen kam, und wusste, welches riesige Potenzial das hat. Langfristig soll es am Uniklinikum Erlangen hin zu einem interprofessionellen, also berufsgruppenübergreifen Ansatz gehen: Pflegeauszubildende und Medizinstudierende lernen von Anfang an gemeinsam und finden eine gemeinsame Sprache. Das wünscht sich der medizinische Nachwuchs und den wollen wir gewinnen“, so der Neurochirurg. Die Pflegedienstleitung der Kopfkliniken, Manuela Haß, ist zufrieden: „Dieser Support, der von der ersten Minute an da war, ist großartig und motivierend! Wir freuen uns unheimlich, dass auch so viele Ärztinnen und Ärzte das Projekt mittragen und unterstützen.“
Nach jeder Schicht und immer freitags geben die angehenden Pflegefachkräfte Feedback – und bekommen auch welches zurück. „Am Ende der Woche entscheiden die erfahrenen Pflegefachkräfte der Station gemeinsam, ob die oder der Auszubildende in die nächsthöhere Phase der Verantwortungsübernahme aufsteigt oder noch in der aktuellen Phase bleibt“, erklärt Olga Oliger. „Die Dauer der einzelnen Phasen ist also von Person zu Person ganz unterschiedlich.“
Weitere Informationen:
Verena Neubauer
09131 85-46892
pflegeausbildung(at)uk-erlangen.de







