Neurovaskuläre Kompressionssyndrome

Neurochirurgie

Direktor:
Prof. Dr. med. Michael Buchfelder

Leistungsspektrum Neurovaskuläre Kompressionssyndrome

Unter Neurovaskulären Kompressionssyndromen (NVC) versteht man verschiedene hyperaktive, paroxysmale Funktionsstörungen der Hirnnerven wie klassischerweise die Trigeminusneuralgie, der Spasmus hemifacialis und die Glossopharyngeusneuralgie. Weiterhin gehören u.U. auch der Vertigo mit Tinnitus, der Torticollis und der essentielle Hypertonus zu dieser Gruppe von Erkrankungen.

Bei der Trigeminusneuralgie bestehen einseitige, blitzartig einschießende, triggerbare Gesichtsschmerzen, beim Spasmus hemifacialis zeigen sich progrediente,
einseitige, willkürlich nicht beeinflussbare Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur, bei der Glossopharyngeusneuralgie treten blitzartige, triggerbare, einseitige
Schmerzen im Bereich des Rachens und der Zunge auf.

Verursacht werden diese Erkrankungen in vielen Fällen durch einen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt nahe am Hirnstamm im Bereich der Wurzelaustrittszone
des betroffenen Hirnnerven. An dieser Stelle geht die zentrale in die periphere Myelinumhüllung der Nervenfasern über, so dass hier durch die Gefäßpulsationen
Schäden in der Hülle und damit Kurzschlußreaktionen im Nerv entstehen, die sich im klinischen Krankheitsbild äußern.

Nach Ausschluss anderer Ursachen wie Tumoren im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels, Infektionen oder Trauma, sowie z.B. die Multiple Sklerose bei Trigeminusneuralgie wird zunächst meist eine grundlegende medikamentöse Therapie eingeleitet, beim Spasmus hemifacialis können zunächst Botulinumtoxin Injektionen in die sich verkrampfende Gesichtsmuskulatur verabreicht werden. Diese Behandlungen stellen jedoch keine kausale Therapie dar, die Wirkung ist vielmals nicht ausreichend und nur vorrübergehend, die Erkrankungen verlaufen progredient.

Auch im Rahmen unserer Sprechstunde erfolgt eine ausführliche Anamneseerhebung, ggf. die Planung weiterer notwendiger Untersuchungen zur Abklärung (z.B. Liquordiagnostik, HNO-Diagnostik, Zahnärztliche Diagnostik, Neurologische Diagnostik) sowie ein spezielles hochauflösendes MRT, das anschließend einer umfangreichen Bildverarbeitung mit 3D-Visualisierung unterzogen wird, um den möglichen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt  genau darstellen zu können (Abb.1). Anschließend wird anhand der Untersuchungsergebnisse ein individuelles Therapiekonzept erstellt.

Abb.1: 3D-Visualisierung der Gefäß-Nerven-Beziehungen am Hirnstamm

Als Behandlungsmethode kommt bei nachgewiesenem typischem Gefäß-Nerven-
Kontakt die sog. mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta in Betracht, bei
der über eine suboccipito-laterale Trepanation ein Teflonpolster zwischen Gefäß
und Nerv eingelegt wird (Abb.2). Diese Operationen werden standardmäßig
unter elektrophysiologischem Monitoring durchgeführt. Weitere Behandlungs-
methoden bestehen insbesondere bei der Trigeminusneuralgie in der Thermo-
koagulation des Ganglion Gasseri des N. trigeminus und zunehmend auch in der
stereotaktischen Radiochirurgie des N. trigeminus.

Abb.2: Intraoperative Aufnahme des Teflonpolsters zwischen Nerv und Gefäß bei Patient mit Spasmus hemifacialis

Mit diesem speziellen Behandlungskonzept können wir bei unseren Patienten mit
Trigeminusneuralgie in über 80% der Fälle eine langfristige Schmerzfreiheit
erreichen. Im Falle des Spasmus hemifacialis sogar eine langfristige Spasmusfrei-
heit in über 90% der Fälle bei geringem Risiko einer neurologischen Verschlech-
terung, insbesondere durch die genaue präoperative Bildverarbeitung und das
intraoperative neurophysiologische Monitoring. Durch die stereotaktische Radio-
chirurgie kann in vielen Fällen auch bereits frustran vorbehandelten Patienten mit
Trigeminusneuralgie geholfen werden.

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Prof. Dr. med. Karl Rössler
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